Reifenpyrolyse

Wir haben das chemische Recycling von Altreifen (Pyrolyse) soweit optimiert, dass wir es wirtschaftlich betreiben können.

Ab 2026 bringen wir die recycelten Materialien TPO (Tire Pyrolysis Oil) und RCB (Recovered Carbon Black) auf den Markt – und schließen damit den Reifenkreislauf nachhaltig.

Die Wiederverwertung von Altreifen steckt noch in den Kinderschuhen – der Berg auf den Deponien wächst weiter. Noch immer gelten Fahrzeugreifen als Einwegprodukte, deren Materialien nicht in die Produktion neuer Reifen zurückfliessen. Das wollen wir ändern. Aber mit herkömmlichen Methoden ist das bislang nicht möglich.

Herkömmliches «Recycling» von Autoreifen

Als Autofahrer können Sie Ihre alten, abgefahrenen Reifen zu einem Händler vor Ort bringen. Im besten Fall werden Ihre diese recycelt, d.h. sie werden mechanisch in die Bestandteile Stahl und Gummi zerlegt. Aus dem Gummi wird dann ein Granulat hergestellt, das für Sportplätze, Kunstrasen etc. eingesetzt wird.

Aufgrund strengerer Umweltrichtlinien wird die Verwendung von Gummigranulat aus alten Fahrzeugreifen aber zunehmend eingeschränkt. Zudem übersteigt die Menge an Altreifen, die jedes Jahr anfällt, den Bedarf an Recycling-Gummi für Sportplätze um ein Vielfaches.

Die grössten Abnehmer von alten Fahrzeugreifen sind Zementwerke.

Heute wird aus Autoreifen meist nur das Metall zurückgewonnen. Der übrige Materialmix – ob aus Fahrradreifen oder tonnenschweren Dumperpneus – dient in Zementwerken als Brennstoffersatz. 

Keines der Materialien wird direkt in die Produktion neuer Reifen zurückgeführt. Das traditionelle Altreifen-Recycling schliesst den Kreislauf für neue Reifen nicht.

Chemisches Recycling von Autoreifen

Wo das mechanische Recycling an seine Grenzen stösst, setzt das chemische Recycling ein: Bei der Trennung der verschieden Stoffe eines Reifens.

Je nach Reifenart kommen unterschiedliche Materialien zum Einsatz: Natur- und Synthese-Kautschuk, Russ, Siliziumoxid, Zink, Blei, Schwefel sowie Stahl und Gewebe sind die Grundmaterialien. Naturkautschuk wird aus dem Hevea brasiliensis-Baum gewonnen. Für den synthetischen Kautschuk muss fossiles Erdöl gefördert und weiterverarbeitet werden.

Ziel des chemischen Recyclingprozesses ist die Trennung des Reifenmaterials. Die so zurückgewonnenen Stoffe TPO und RCB werden als wertvolle Rohstoffe in den Kreislauf zurückgeführt. RCB kann als Alternative zu herkömmlichem Carbon Black direkt in der Reifenproduktion eingesetzt werden. Damit schliesst sich der Kreis.

Der Prozess im Überblick

Das chemische Recycling von Altreifen ähnelt dem Recycling von Mischplastik (aus Polyolefinen wie HDPE, LLDPE, PP, PE). Das Reifengranulat wird durch eine sauerstofffreie Erhitzung thermisch zersetzt. Dabei entstehen gasförmige Produkte, welche zu Reifenpyrolyseöl (TPO) kondensiert werden. Feststoffrückstände, auch als Pyrolyseruss bezeichnet, werden in einer Aufbereitung zu Recovered Carbon Black (RCB) veredelt.

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Vorbehandlung

Die Reifen werden zuerst mechanisch zerkleinert. Das Gewebe und der Stahl werden separiert. Das gereinigte Ausgangsmaterial (Gummigranulat) wird für eine kontinuierliche Einspeisung in den Reaktor zwischengelagert.

Pyrolyse

Im Pyrolysereaktor werden Kunststoffe oder Gummi thermisch zersetzt. Es entstehen gasförmige Kohlenwasserstoffe, die über Kondensatoren als Flüssigkeiten und Wachse ausscheiden. Nicht kondensierbare Gase entweichen als Pyrolysegas, feste Rückstände wie Asche und Koks werden im Ascheaustrag entfernt.

Nachbehandlung

Nach der Pyrolyse kann ein Drittrohstoff, das sogenannte Recovered Carbon Black (RCB), zurückgewonnen werden. Als Pyrolysefeststoff gelangt es in einen Vorlagebehälter zur Mühle. Das Mahlgut wird zu Pellets verarbeitet, welche für die Vermarktung endgelagert werden.

Endprodukte

Ab 2026 verkaufen wir rezykliertes Pyrolyseöl mit Nachhaltigkeitsnachweis ISCC-Plus sowie Industrieruss in den Produktionskreislauf der Reifenindustrie. Damit schliessen wir den Kreis und ermöglichen eine vollständige Kreislaufwirtschaft (Circular Economy).

ISCC-Plus-Zertifizierung

Die ISCC-PLUS-Zertifizierung ist eine freiwillige Verpflichtung für die Kreislaufwirtschaft. Alle Arten von Biomasse, Abfällen und Reststoffen, nicht-biologische erneuerbare Energien und recycelte Kohlenstoffmaterialien können unter ISCC-PLUS zertifiziert werden.

Unsere Garantie

Für unsere Produkte geben wir eine Qualitätsgarantie. Für gleichbleibende Qualität sorgen einerseits Analysen unseres eigenen Labors – andererseits regelmässige Kontrollen, durch ein unabhängiges externes Labor.

Wenn Sie das Pyrolyseöl oder Carbon Black bei uns kaufen, haben Sie die Sicherheit, dass dieses aus recycelten Fahrzeugreifen energieeffizient und nachhaltig produziert wurde.

Dr. rer. nat. Albert Paparo leitet unser Forschungslabor in Tangstedt. Die Arbeit seines Teams hat wesentlich zur Optimierung des Pyrolyse-Prozesses beigetragen, der sowohl wirtschaftlich als auch nachhaltig ist.